Ethno-Nationalist Conflict in Iran?

A guest post by Nils-Christian Bormann.

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On a recent Daily Show episode, former FBI special agent Ali Soufan discussed Iranian internal politics with regard to its ethno-nationalist minorities and their linkages in the wider Middle Eastern & Caucasian region. Manuel Vogt, Lars-Erik Cederman and I have discussed the challenge of ethno-nationalism in the context of the Arab Spring in a new NCCR working paper. Our analysis of ethnic group conflict risk takes into consideration factors such as government inclusion of ethnic elites, a recent downgrade in power status, ethnic group size, a prior history of conflict, GDP and population size. Our model predicts that most groups in Iran have a conflict probability that is above the sample median (the sample average of all conflict probabilities is heavily influenced by actual conflicts – our model predicts an almost 100% Probability of insurgency for the Kurds within the decade from 2010-2019 – and Kurdish rebels were actually fighting the Iranian government in 2010). Interestingly enough, the Azeris – the Turkic group that Soufan is talking about the most have a much smaller conflict probability than most of Iran’s minorities (about a third). This is due to fact that in our data set Azerian elites are coded as having access to executive power in Iran and the Azeris have never experienced a civil war with the Iranian government. However, if Azeri elites were denied to the Iranian government in, for example, 2014 their 10-year cumulative probability of civil war onset would rise to 34% – a rather high probability in civil war studies. The probabilities underline that it is not ethno-nationalism per se that increase the likelihood of civil war but its meaning in the political system. Put differently, when a government can accommodate ethnic elites by offering them de facto access to executive positions, civil war risk is greatly reduced.

Soufan, however, refers explicitly to regional dynamics and ethno-national linkages of Turkic groups in the Middle East, the Caucusus and all the way to China. I therefore estimated a new model with a different sample (including the Middle East and the Caucasus but no Northern African countries) and three new dummy variables that indicate whether an ethnic group has any kin group in a neighboring country that has access to governmental power, that is excluded from executive power, or that is currently fighting a war (these data were just collected by Seraina Ruegger at ETH Zurich but are not yet published). The model (figure below) again underlines the importance of ethnic politics and its dynamic changes in explaining civil war onset. Moreover, having a kin group that is excluded from government power in the region is likely to increase conflict risk while having a kin group that is included does not (at least not significantly). Having a kin group that is involved in conflict raises the risk of civil war as well. The cases doing most of the work here will be the Kurds in Iran, Iraq, and Turkey. Indeed, if the Kurds are dropped from the sample, the excluded kin and conflict parameters turn out to be insignificant and the included kin variable raises the risk of conflict as Soufan suggested they would for Turkish kin groups.

However, neither model 1 nor 2 predict a higher risk of civil war in Iran. Arabs and Baloch along with the Kurds are still quite likely to be involved in a civil war in the next decade but Azeris and other Iranian minorities actually have a lower risk of conflict onset in these models. Model 2 does not change the dynamics in Iran very much. Indeed, the Turkish Kin connection hardly affects the conflict risk for Azeris in Iran. Even in the counterfactual case of a domestic war in which one of the Turkish kin groups of the Azeri were involved, conflict risk would not rise to levels that the Iranian leadership would have to worry about much according to the model.

All of these results have to be taken with a grain of salt. The current coding of the kin connection is solely based on ethnic affinity (shared language or religious adherence would result in a kin link) and does not capture Turkey’s geo-strategic interests. Moreover, it is also not geared towards prediction. However, it is suggestive of the fact that domestic ethnic power relations seem to play a bigger role than international linkages. Very different dynamics could open up if Iran’s army was involved in a costly conflict with Israel and opportunities for rebellion would open up. However, as long as Iranian Azeri elites have de facto executive access, a domestic uprising seems unlikely.

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Von Torten, Parlamentarier-Ratings, und anderen Ungeniessbarkeiten: Eine Nachlese zu den Wahlen 2011

A guest post by Simon Hug and Reto Wüest (University of Geneva). A simplified version has been published today in Die Weltwoche.

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Im lauen Wahlkampf zu den National- und Ständeratswahlen 2011 können neben der Entführung und Einfärbung Zottels wohl nur kulinarische Erlebnisse und Parlamentarier-Ratings als Höhepunkte betrachtet werden. Dass letztere auf recht wackeligen Füssen stehen, scheint sowohl der Bundeskanzlei als auch den Journalisten führender Schweizer Tageszeitungen entgangen zu sein.

Die in der Wahlbroschüre abgebildete Torte verortete alle Nationalrätinnen und Nationalräte basierend auf ihrem Abstimmungsverhalten und eingefärbt nach Parteizugehörigkeit auf einer schön glasierten Oberfläche. Stellen wir uns dazu kurz ein aus Marzipan hergestelltes Hochzeitspärchen vor, das sich in der politischen Mitte in Langenthal kennengelernt hat. Der Tradition gemäss werden unsere Marzipanfigürchen in der Mitte der Torte platziert . Nach durchzechter Hochzeitsnacht wacht das Pärchen erschreckt auf: Es befindet sich gemäss Tortendarstellung in der Wahlbroschüre fast ganz allein auf weiter Flur (lies Glasur). Die Ehefrau, eine erfahrene Verkosterin für den Gault-Millau-Führer, zeigt sich erstaunt, dass die kulinarischen Experten der Bundeskanzlei diesen Umstand nicht erfasst haben und keinen Gugelhopf (mit leerer Mitte) als Darstellungsform gewählt haben – dass die fehlende Mitte ein methodologisches Artefakt ist, hätte ein normal konstituierter Redaktionsverantwortlicher der Wahlbroschüre bei unabhängigen Experten in Erfahrung bringen können.

Im fast verlassenen Zentrum der Torte erinnert sich die frisch Vermählte, eine avide Leserin der Schweizer Qualitätspresse, an Zeitungsberichte (NZZ und Le Temps vom 7.10.2011), in welchen aufgezeigt wurde, dass im letzten Jahr der zu Ende gehenden Legislaturperiode die Polarisierung zwischen den Parteien abgenommen hat.

Voller Hoffnung stürzen sich die beiden ins Zeitungsarchiv und lesen die letzten Berichte über die sogenannten “Parlamentarier-Ratings” (NZZ vom 27.11. 2008, 21.11.2009, und 26.11.2010). Der Ehegatte, seit jeher kritischer Natur, stellt überrascht fest, dass in jedem der Parlamentarier-Ratings (mit der kuriosen Ausnahme des letzten Ratings von 2011, wo kein Parlamentarier am äussersten linken Pol (-10) verortet ist) je mindestens ein Parlamentarier auf der äussersten linken bzw. rechten Position zu finden ist. Seine frischgebackene bessere Hälfte klärt ihn auf: das ist die Eigenschaft eines Ratings. Alle Parlamentarier werden im Bezug auf die Ratskollegen mit den extremsten Positionen verortet. Der Ehemann zeigt sich überrascht: wie können denn die Positionen von einem Rating zum anderen über die Zeit verglichen werden, wenn automatisch immer mindestens ein Parlamentarier ganz links respektive ganz rechts zu stehen kommt, unabhängig davon über was im Rat abgestimmt wurde? Die belesene Gattin hat die Antwort: bei den Ratings handelt es sich jeweils um die wohlbekannte Links-Rechts-Achse. Die Dokumentation ist diesbezüglich eindeutig: “Die Bezeichnung der Pole als “links” und “rechts” erfolgt ex-post. Dies ist möglich, weil die von der [Methode] wiedergegebene Polarität mit der alltäglichen Bedeutung von links und rechts übereinstimmt.” Daher können die Positionen sehr wohl über die Zeit miteinander verglichen werden. Der frisch Vermählte, Geograph von Beruf, ist erstaunt: wäre das nicht das gleiche, wie wenn wir Geographen jedes Mal, wenn sich der nördlichste Eskimo vom Nordpol zum Fischen Richtung Süden begibt, die Länge der Erdachse neu bestimmen würden? Genau, belehrt ihn seine Angetraute, und Ihr solltet, wenn Ihr seriöse Forscher wäret, in Abhängigkeit der Position dieses Eskimos den Breitengrad, auf welchem sich das Bundeshaus mitsamt der ganzen Parlamentarierschar befindet, neu bestimmen. Der neu Verheiratete hat leichtes Spiel, seine bessere Hälfte vom Unsinn dieser Berechnungen zu überzeugen. Die Parlamentarier-Ratings sowie der Befund zur reduzierten Polarisierung im Parlament (NZZ und Le Temps vom 7.10.2011) landen – der Hochzeitsliste sei Dank – im brandneuen Shredder.

Nachdem die Konsultation der Zeitungsarchive keine Hilfe lieferte, versuchen sich die Turteltauben neu auf der Torte zu orientieren. Der Tradition der ungeteilten Ehestandesstimme folgend möchten sie die gleiche, ihnen möglichst nahestehende Partei wählen. Der Geograph schlägt vor, sich Richtung Norden hin zum “liberalen” Pol zu bewegen. Dabei stossen die beiden Marzipanfigürchen schnell auf ein paar gelbe Zuckerperlen. Da die beiden aber trotz kirchlicher Trauung Agnostiker sind, erscheinen ihnen diese ersten Parlamentarier, die sie antreffen, als nicht wählbar. Die Reise geht weiter Richtung Norden und schon fast am Tortenrand angelangt, treffen sie auf ein paar blaue Zuckerperlen, die ihnen als wählbar erscheinen.

Um Sorgfalt walten zu lassen kehren die beiden zum Ausgangspunkt (Tortenmitte) zurück und die Ehefrau schlägt eine Exkursion nach rechts vor. Nach etwa gleicher Marschzeit stossen die beiden auf ein paar grüne Zuckergeissböcke. Siehst Du, argumentiert die frisch Vermählte, rechts von uns haben wir etwa auf gleicher Distanz auch valable Kandidaten gefunden. Die befinden sich zwar ein bisschen weiter südlich Richtung “konservativem” Pol, aber scheinen uns trotzdem nahe zu stehen. Wollen wir nicht die grünen Geissböcke wählen? Der Geograph zeigt Interesse, will aber mit seiner kritischen Natur zuerst erfahren, wie die Namen der Pole bestimmt wurden. Leider geben die kulinarischen Experten der Bundeskanzlei in der Wahlbroschüre keine Auskunft dazu und auch sonst sind darüber kaum Informationen zu finden (ausser der oben erwähnten, recht non-chalanten Bemerkung zur Links-Rechts-Skala).

Hier müssen wir unsere Geschichte wohl abbrechen. Jeder, der auch nur das geringste von der Bundespolitik versteht, wird bemerkt haben, dass diese Marschrouten, so wie sie sich auf der Torte darstellen, nicht vergleichbar sind. Detailliertere Forschungen haben gezeigt, dass die politische Landschaft weder einer Hochzeitstorte noch einem Gugelhopf entspricht. Die kulinarisch nächste Äquivalenz wäre ein “Caprice des deux”: die Parteien unterscheiden sich stark auf der Links-Rechts-Achse, wenn es sich um Abstimmungen im Parlament handelt, und sind sich in anderen Belangen relativ nahe.

Fazit: Dass sich Zeitungen auf solche effekthascherische und undurchdachte Analysen stürzen, mag ja noch akzeptabel sein. Als zahlende Leser können wir per Kaufentscheid unserem allfälligen Unmut Ausdruck verleihen. Dass aber die Bundeskanzlei auf Kosten der Steuerzahler derartige politische Desinformation (und anscheinend ohne vorgängige wissenschaftliche Abklärungen vorgenommen zu haben) an alle Haushalte mit stimmberechtigten Wählern schickt, sollte zu denken geben.